GIDS ist Denkfabrik der Zukunft

Unterzeichnung der Gründungsurkunde

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat am Samstag das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) in Hamburg eröffnet. Das GIDS bündele militärfachliche Expertise und wissenschaftliche Exzellenz in einer Denkfabrik für die Bundeswehr der Zukunft. „Im Zentrum der Arbeiten des GIDS steht immer der Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr – fachlich versiert und praxisorientiert“, so die Ministerin.

Unterzeichnung der Gründungsurkunde

Sie unterzeichnete bei einer Festveranstaltung vor mehr als 120 geladenen Gästen an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU), der Universität der Bundeswehr in Hamburg, die Gründungsurkunde des GIDS. Von der Leyen signierte das Dokument im Thomas-Ellwein-Saal der HSU gemeinsam mit dem Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk), Brigadegeneral Oliver Kohl, und dem Präsidenten der HSU, Professor Dr. Klaus Beckmann. Die GIDS-Gründung fand im Rahmen des „open campus“, des Tages der offenen Tür an der HSU statt.

Schallmauer durchbrochen

Der Präsident der HSU, Prof. Dr. Klaus Beckmann, hob die Bedeutung der GIDS-Gründung hervor. Lange sei darauf hingearbeitet worden. Nun, da das Ziel endlich erreicht sei, komme die Eröffnung des GIDS dem Durchbruch der Schallmauer gleich. Auf dem Feld der Strategieberatung stoße die Bundeswehr mit dem GIDS in eine wissenschaftliche Lücke vor, so Beckmann. Dazu leisteten HSU und FüAk beide ihren wertvollen Beitrag.

Der Auftrag lautete: Profil schärfen

Das neue Institut ist auf Initiative der Ministerin gegründet worden. Sie hatte 2016 den Auftrag gegeben, das Profil der Denkfabrik der Bundeswehr zu schärfen und das dort angesiedelte Wissen besser nutzbar zu machen. Das GIDS ist der neue Teil der Denkfabrik der Bundeswehr, bestehend aus FüAk und HSU. In diesem Kontext soll das GIDS die zentrale Koordinierungsstelle des Think Tanks sein. Es geht darum, aus den vielen Strängen des Wissens, die durch HSU und FüAk verlaufen, ein starkes Tau der Expertise und der Beratung zu machen.

Ein bisher unbestelltes Feld

Das GIDS besetze in der deutschen Think Tank-Landschaft ein bisher unbestelltes Feld, so die Ministerin. Die aktuellen Entwicklungen, ob die Konfliktherde an den Grenzen Europas oder Fake News und Cyber, verlangten mehr denn je die Fähigkeit strategisch zu denken. „Wir müssen strategiefähiger werden, wenn wir verantwortlicher gestalten wollen“, so Ursula von der Leyen. Hiermit werde die im Weißbuch 2016 der Bundesregierung eingeschlagene Richtung konsequent fortgeführt. 

Netzwerk „Strategie und Vorausschau“

In einer Welt, die immer wechselvoller und unübersichtlicher wird, ist nach Ausführungen der Ministerin kein Platz mehr für einsame Entscheidungen der Politik. Diese brauche vielmehr den strategischen Diskurs mit klugen Gesprächspartnern. Diesen Dialog habe sich das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) zur Aufgabe gemacht und in seiner Politischen Abteilung ein Netzwerk „Strategie und Vorausschau“ aufgebaut. Genau dazu, so die Ministerin, passe auch das GIDS mit seiner „ganz spezifischen und einzigartigen Expertise“ der FüAk. Diese verfüge über ein einzigartiges „Reservoir an Erfahrung und Wissen“, wie Ursula von der Leyen es nannte. Gleichzeitig stehe mit der HSU eine der beiden „akademischen Ausbildungsschmieden unseres Offizier-Nachwuchses“ am Standort Hamburg bereit. Ihr Markenkern sei eine wissenschaftlich exzellente und interdisziplinäre Grundlagenforschung.

Einzigartige Kooperation

„Es ist genau diese Kombination aus militärischer Kompetenz und wissenschaftlicher Expertise, die wir im GIDS zusammenbringen und nutzen wollen. Diese strukturelle Kooperation zwischen einer Universität und einer Militärakademie ist einzigartig“, unterstrich die Ministerin. Der gemeinsame Wissensschatz dürfe nicht in Archiven verstauben. „Vielmehr müssen wir dafür Sorge tragen, dass dieses Wissen bei den Entscheidungsträgern in der Bundeswehr und der Politik ankommt“, erklärte die Ministerin.

Es geht um Wissensmanagement

Expertise soll nicht nur gewonnen, sondern auch abgeschöpft und systematisiert werden. Das Wissensmanagement nutzt, steuert und vernetzt die Expertise. Das Produkt daraus soll eine erstklassige Strategieberatung für Bundeswehr und Bundesregierung sein. Und darüber hinaus eine strategische Vorausschau. 

Entscheidungsgrundlage für Entscheider

Dazu solle das GIDS künftig seinen Beitrag leisten. Es werde Analysen liefern, die den militärischen und politischen Verantwortungsträgern eine Entscheidungsgrundlage biete, sagte Ursula von der Leyen. Mit Unterstützung des GIDS werden die großen sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen unserer Zeit gestellt.

Das GIDS soll Sparringspartner sein

Nach den Vorstellungen der Ministerin soll das GIDS „Sparringspartner für die Bundeswehrführung und das BMVg“ sein. „Dazu gehört es, alte Denkmuster herauszufordern und unbequeme Fragen zu stellen“, sagte die Ministerin. Damit werde das GIDS unmittelbar anknüpfen an das Projekt der Politischen Abteilung des BMVg zur weiteren Verbesserung der Strategiefähigkeit, METIS, benannt nach der griechischen Göttin der Weisheit.

Ideenwerkstatt und Impulsgeber

Weiter solle das GIDS Ideenwerkstatt und Impulsgeber sein. Dazu müssten Debatten angestoßen werden – in der Bundeswehr, aber auch mit externen Experten und Expertinnen aus dem In- und Ausland. Das GIDS stellt sich den sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen unserer Zeit, die in der Öffentlichkeit formuliert werden. Es soll aktiver Part des öffentlichen Diskurses sein. Damit wird ausdrücklich der Wille der Bundeswehr zum offenen und kritischen Dialog artikuliert. Sie richtet den Blick bewusst über den Tellerrand.

Gefragter Gesprächs- und Kooperationspartner

Das GIDS soll sich auf diesem Weg zu einem gefragten Gesprächs- und Kooperationspartner entwickeln – national wie international. Im Austausch mit den Ressorts der Bundesregierung und ihren Einrichtungen wie beispielsweise der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) und dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw). Darüber hinaus im Dialog mit anderen Think Tanks wie etwa der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) oder der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Weiter ist das GIDS in einem engen Netzwerk verwoben mit den Ideenschmieden der Partner und Verbündeten. 

Mut zum Diskurs 

An diesem Projekt werden 24 wissenschaftliche Denkerinnen und Denker von FüAk und HSU, die im GIDS gebündelt werden, kontinuierlich arbeiten. Die Ministerin forderte sie nachdrücklich auf, bewusst neue Wege zu beschreiten und Mut zum Diskurs zu haben. Die Denker sollen also ein Stück weit auch Querdenker sein. „Ich freue mich auf eine Denkfabrik, die unsere Politik strategiefähiger und unsere Bundeswehr einsatzbereiter macht“, so Ursula von der Leyen.

 

Schon viel vorgearbeitet

Als Zeichen dafür, dass im Vorfeld der GIDS-Gründung schon eine Reihe von hochkarätigen wissenschaftlichen Beiträgen von FüAk und HSU erarbeitet worden sind, überreichten Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg und Prof. Dr. Burkhard Meißner der Ministerin das neue wissenschaftliche Fachbuch „Militär, Strategie und Forschung – Studien zu Verteidigungskapital, Economic Statecraft, Data Envelopment und Verhaltensökonomie“.

Autor: Jörg Fleischer

Auftakt für die Denkfabrik

Was ist Strategie? Welche Bedeutung hat Strategie in den verschiedenen Bereichen von Politik, Gesellschaft und Kultur? Welchen Einfluss hat Strategie auf Entscheidungsprozesse? Wie wird Strategie rationalisiert, operationalisiert und kommuniziert? Und was kann die Bundeswehr daraus lernen? Mit dieser Thematik befasste sich die erste Tagung des German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS. Namhafte Experten aus Gesellschaft, Wirtschaft, Kirche, Kultur, Politik, Sport und Militär stellten strategische Konzepte und die zentralen Herausforderungen ihrer Bereiche zur Diskussion.