Drohnen in Blankenese

Militärdrohnen – was haben sie verändert?

im GIDS #talk am 9. Mai 2019

„Drohnen im Militäreinsatz: Was ist wirklich revolutionär?“ – das war Anfang Mai Thema im GIDS #talk. An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg hielt Drohnenexpertin Dr. Ulrike Franke, Policy Fellow am European Council on Foreign Relations (ECFR) in London, einen Vortrag. Wie und durch wen werden Militärdrohnen eingesetzt? Inwieweit haben sie die Kriegsführung verändert? Rund 50 Gäste hörten ihren Ausführungen zu und beteiligten sich anschließend an der Diskussion.

„Die Debatte rund um Drohnen ist noch gar nicht ausreichend geführt.“
Dr. Ulrike Franke

Militärdrohnen im Einsatz – in Deutschland ein mehr als kontrovers diskutiertes Thema. Man erinnere nur an die Debatte rund um die Heron TP und deren mögliche Bewaffnung. Tatsächlich aber ist es in der Zwischenzeit ruhiger um das Thema „Kampfdrohnen“ geworden. „Die Karawane der medialen und öffentlichen Aufmerksamkeit wandert gerade weiter in Richtung Künstlicher Intelligenz“, sagt Franke, „allerdings ist die Debatte rund um Drohnen noch gar nicht ausreichend geführt“. Es beginnt ein Exkurs in die Welt der kleinen bis großen unbemannten Flugsysteme: Was sind Drohnen überhaupt und wer hat sie? Was ist an ihnen wirklich revolutionär?

Die Mitarbeiterin am paneuropäischen Think Tank ECFR führte jahrelang Recherchen rund um Militärdrohnen und spezifizierte ihre Studien auf Deutschland, Großbritannien und die USA. Eine Drohne definiert sie als fliegendes Vehikel ohne menschlichen Piloten an Bord. Weitere Merkmale: Drohnen fliegen ferngesteuert, vorprogrammiert oder autonom. Eine Drohne kann man bewaffnen, sie kann aber auch nur der Aufklärung dienen. Eine Drohne kann klein wie eine Hand oder groß wie ein ziviles Passagierflugzeug sein. Das Erscheinungsbild ist sehr vielfältig. Von den ersten rein militärisch genutzten Drohnen Anfang der 60er Jahre bis zu einem breit gefächerten militärischen und zivilen Drohnenmarkt heutzutage gab es eine rasante Entwicklung. Heute kann praktisch jeder eine Drohne fliegen. Das macht sie auch zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko.

Status quo – und was ist nun neu?

„90 bis 100 Länder besitzen mittlerweile Militärdrohnen, das kann aber alles einschließen. Rund 30 Länder haben große Militärdrohnen. Bewaffnete Drohnen etwa ein Dutzend“, sagt Franke. Was aber ist denn nun wirklich neu? Die Wissenschaftlerin nennt zwei Aspekte: Zum einen ermögliche eine dauerhafte Luftüberwachung den Soldatinnen und Soldaten eine bessere Wahrnehmung ihres unmittelbaren Umfelds in Gefahrengebieten respektive Kampfzonen. „Das hat es so vorher noch nie gegeben“, erklärt sie. Durch Aufklärungsdrohnen gäbe es fast eine perfekte, durchgehende Luftüberwachung. „Deutsche Patrouillen gehen nicht mehr ohne Drohnenschutz heraus“, erklärt Franke. Die Aufklärungsergebnisse gerade kleinerer Drohnen dringen dabei bis in die niedrigen Hierarchieebenen hinab. Jeder hat jetzt viel mehr Informationen darüber, was unmittelbar um ihn herum passiert. „Das ist revolutionär“, sagt die Drohnenexpertin.

Dr. Ulrike Franke im Kurzinterview

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Zum anderen sei für viele Soldatinnen und Soldaten der Einsatz von Militärdrohnen verbunden mit einer neuen Erfahrung der Kriegsführung. „Durch Drohnen erleben Soldaten Krieg auf fundamental neue Art“, sagt Franke und erklärt: „Die Drohneneinsätze der Amerikaner im Nahen Osten werden aus Nevada geflogen. Die Drohnenpiloten sind von dort direkt am Kriegsgeschehen beteiligt. Sie sind nah dran und doch weit weg“, beschreibt sie. Das sei eine komplett neue Art der Arbeitsrealität. „Diese Soldaten pendeln in den Krieg“, betont sie. Drohnenoperateure wohnen in Las Vegas, fahren zur Arbeit und steuern ihre Drohnen aus einem Container. Dann sind sie im Krieg. Abends fahren sie nach Hause und spielen mit ihren Kindern. Das machen sie teils jahrelang. Drohnenpiloten sind mitunter jahrelang auf ihrem Posten. „Das ist eine sehr hohe Belastung, gibt diesen Soldaten gleichzeitig aber auch ein ungewöhnlich umfangreiches institutionelles Gedächtnis“, fasst sie zusammen.

Drohnenschwärme und Drohnenabwehr

Bei der anschließenden Diskussion wagte die Wissenschaftlerin auch einen Blick in die Zukunft. Man gehe davon aus, dass Drohnen die ersten Systeme sein werden, die autonom agieren – insbesondere die Drohnenschwärme. „Sie werden schnell sein und sie werden weniger leicht zu entdecken sein, das werden völlig neue militärische Fähigkeiten sein“, sagt sie. Sie ist überzeugt, dass Drohnenschwärme kommen werden und das schon in naher Zukunft. Ein weiteres wichtiges Thema insbesondere für die Forschung sei derzeit noch die „Drohnenabwehr“. Hier seien mehrere Systeme im Test, aber der Königsweg sei noch keineswegs gefunden. Das Fazit: Militärdrohnen bleiben in Wissenschaft und Forschung aktuell. Somit sollte auch die Debatte rund um Drohnen im Militäreinsatz weitergeführt werden – und zwar mit der Expertise aller Beteiligten.

Autorin: Dr. Victoria Eicker

Ulrike Franke ist am ECFR im Projekt „New European Security Initiative“ tätig und forscht zu deutscher und europäischer Sicherheits- und Verteidigungspolitik, Kriegsführung der Zukunft und dem Einfluss neuer Technologien wie Drohnen und Künstlicher Intelligenz. Sie hat zu dieser Thematik vielfach publiziert, so beispielsweise in den Zeitungen „Die Zeit“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Zudem ist Franke Co-Host des deutschen Podcasts „Sicherheitshalber“, in Kooperation mit dem Blog „augengeradeaus.de“.