Verteidigungsfähigkeit und Umweltschutz zusammendenken
GIDS und NABU legen gemeinsames Ideenpapier vor:
„Mehr Wildnis wagen – mehr Sicherheit gewinnen“
#GIDSnews I 31. März 2026 I Autoren: GIDS und NABU I Foto: Bundeswehr / Tom Twardy
Angesichts der verschärften sicherheitspolitischen Lage in Europa und der fortschreitenden Klima- und Biodiversitätskrise sprechen sich der NABU und das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) dafür aus, Umwelt- und Sicherheitspolitik stärker zusammenzudenken. Das heute veröffentlichte Impulspapier „Mehr Wildnis wagen – mehr Sicherheit gewinnen“ der NABU-Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein sowie des GIDS wirbt für einen engeren Austausch und Dialog mit der Bundeswehr und für konkrete Ansätze einer integrierten Sicherheitsstrategie.
„Wir erleben eine doppelte Zeitenwende: sicherheitspolitisch und ökologisch. Wer heute Sicherheit denkt, muss Natur mitdenken. Alles andere greift zu kurz“, sagt Malte Siegert, Landesvorsitzender des NABU Hamburg. „Naturschutz ist kein Luxus, sondern Grundlage unserer gemeinsamen Sicherheit.“
Ähnliche Ansätze bereits in anderen NATO-Staaten
Im Zentrum steht die Renaturierung von Mooren und Feuchtgebieten. Sie sind Hotspots der Biodiversität und bedeutende CO₂-Speicher. Sie wirken aus Perspektive der Verteidigungsfähigkeit auch als natürliche Barrieren, verlangsamen militärische Bewegungen und erhöhen die Resilienz von Landschaften, wie im Krieg in der Ukraine deutlich geworden ist.
„Moore sind dreifach wertvoll: Sie schützen Klima, Artenvielfalt und im Ernstfall auch unsere Sicherheit in Deutschland und Europa“, betont Alexander Schwarzlose, Landesvorsitzender des NABU Schleswig-Holstein. Ähnliche Ansätze gibt es bereits in anderen NATO-Staaten: In Finnland, Polen und den baltischen Staaten werden Moore gezielt als natürliche Verteidigungsstrukturen wiederhergestellt und zugleich als Klimaschutzmaßnahme genutzt.
Resilienter durch eigene Energieproduktion
„Zudem müssen vor allem die Streitkräfte fossile Abhängigkeiten reduzieren“, sagt Professor Dr. Stefan Bayer, Forschungsleiter beim GIDS. Eine Armee, die am Tropf fossiler Lieferketten hänge, sei verwundbar. „Mehr erneuerbare Energie bedeutet mehr Unabhängigkeit, mehr Durchhaltefähigkeit und damit mehr Sicherheit.“ Auch Kasernen sollten multifunktional gedacht werden – als resiliente Standorte mit eigener Energieproduktion und Raum für Natur. „Jede Kilowattstunde vom Kasernendach macht unabhängiger, jede Grünfläche trägt zum Artenschutz bei“, so der Wissenschaftler des GIDS in Hamburg.
Ihren gemeinsamen Impuls verstehen das GIDS und die beiden NABU-Landesverbände ausdrücklich als gesamtgesellschaftlichen Ansatz. „Bei Zukunftsfragen wie Sicherheit, Umwelt und Infrastruktur ist es folgerichtig, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“
„Für die Zukunft unseres Landes“
Gleichzeitig wächst durch neue militärische Infrastrukturen wie Unterkünfte, Übungsplätze, technische Anlagen oder Verkehrswege der Druck auf Flächen und Natur. „Mehr Investition in militärische Infrastruktur und Sicherheit darf nicht automatisch mehr Flächenverbrauch bedeuten. Deshalb braucht es den Dialog mit der Bundeswehr, um naturverträgliche Planungen und Alternativen zu entwickeln“, betont Siegert.
Die beiden NABU-Landesverbände und das GIDS sehen das Impulspapier als Beitrag zu einer sachlichen gesellschaftlichen Debatte. „Wir brauchen wieder ernsthafte Auseinandersetzungen mit komplexen Fragen. Naturschutz und Fragen der Verteidigung stehen nicht nebeneinander oder gegeneinander, sondern übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Resilienz und Zukunft unseres Landes.“
