„Australien im Kalten Krieg mit China“

#GIDSdebate: Tim Döbler beleuchtet Interessen und Spannungen im Indo-Pazifik

Autor: Eckhard Michel

Fotos: LSIS Matthew Lyall / Tim Döbler

#GIDSdebate I 17. Juni 2022

Wie steht es um die Beziehungen zwischen Deutschland und Australien? Welche Ziele verfolgt Deutschland im Indo-Pazifik? Antworten darauf hat Kapitänleutnant Tim Döbler beim monatlichen Forum #GIDSdebate gegeben.

Die australischen Sicherheitsinteressen seien stark von den zunehmend schlechteren Beziehungen zu China geprägt. Das ohnehin angespannte Verhältnis der beiden Länder sei während der Coronapandemie und durch mehrere Vorfälle zwischen militärischen Einheiten zur See und in der Luft, insbesondere in diesem Jahr, weiter abgekühlt. „Australien befindet sich im Kalten Krieg mit China“, sagte Döbler, Marineoffizier und Promovend der Helmut-Schmidt-Universität/ Universität der Bundeswehr Hamburg.

Als Reaktion habe Australien 2017 ein umfangreiches Marineschiffbauprogramm aufgelegt. Das australische Weißbuch von 2020 fordere unter anderem, dass die Streitkräfte in Konflikten hoher Intensität bestehen können. Weitere Rüstungsvorhaben seien noch im selben Jahr beschlossen worden.

Australien werte das aggressive Verhalten Chinas vor allem im südchinesischen Meer als wachsende Bedrohung. Zudem lasse ein jüngst geschlossenes Abkommen zwischen China und den nordöstlich Australiens gelegenen Salomonen vermuten, dass Peking dort Militärstützpunkte errichten wolle.

Australien sei gewillt, seine Interessen entschieden zu vertreten, unterstrich Döbler während seines Vortrags im Beck-Saal der Führungsakademie der Bundeswehr. So habe Canberra nicht nur massive Rüstungsanstrengungen unternommen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Staaten in der Region intensiviert und die traditionell guten Beziehungen zu den USA gepflegt.

Die Relevanz für Deutschland: „Unser Wohlstand hängt von der Sicherheit in der Region ab“, sagte Döbler. Folglich habe Deutschland ein wirtschaftliches Interesse an freien Handelswegen. Es gebe aber durchaus auch militärische Interessen, etwa mit Blick auf Gerätetests unter besonderen klimatischen Bedingungen. Ein Beispiel: die seinerzeitige Erprobung des Radpanzers GTK Boxer in Australien.

Als strategischer Wegweiser der deutschen Außenpolitik in der Region dienten die „Leitlinien zum Indo-Pazifik“. Mit der Fregatte „Bayern“, die während ihrer Tour durch den Indo-Pazifik im vergangenen Jahr auch Australien besuchte, „hat Deutschland ein Zeichen gesetzt“, ist sich der Wissenschaftler und Marineoffizier sicher. Die diesjährige Beteiligung der deutschen Luftwaffe an Übungen in Australien vertiefe die militärische Kooperation. Döbler abschließend: „Zwar spielt Deutschland im Sicherheitskonstrukt Australiens eine nachgeordnete Rolle – aber die Rolle Deutschlands wird wichtiger.“

#GIDSdebate bringt Wissenschaftler, Offiziere, Unternehmer und Behördenvertreter zusammen. Das Forum am dritten Mittwoch eines jeden Monats umfasst ein Impulsreferat, eine 30-minütige Diskussion und die Gelegenheit zum informellen Austausch. Derzeit findet die #GIDSdebate im hybriden Format statt, so auch am 15. September 2022 um 17 Uhr. Weitere Informationen sind per E-Mail an buero@gids-hamburg.de erhältlich.