Denkfabrik startet Vortragsreihe

Neues Format mit frischen Ideen – und mit einem Auftakt nach Maß. Das German Institute for Defence and Strategic Studies, kurz GIDS, hat jetzt zur Premiere seines Diskussionsforums #GIDSdebate 30 Wissenschaftler, Offiziere und Behördenvertreter begrüßt. Damit war die Veranstaltung an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg bis auf den letzten Platz ausgebucht. Allein wegen der Corona-Regeln konnten nicht mehr Menschen den Beck-Saal betreten und „Die Rolle von Frauen in islamistischen Terrororganisationen“ erörtern. Ein bedauerlicher Umstand, meinte ein Teilnehmer, denn der einleitende Vortrag von FüAkBw-Dozentin Dr. Marie-Theres Beumler „enthielt ein Feuerwerk an Argumenten“.

Wer die erste Ausgabe von #GIDSdebate verpasst hat, muss auf die zweite nicht lange warten: Die Reihe findet nun jeweils am dritten Mittwoch eines Monats statt, der Beginn erfolgt um 17 Uhr. Am Mittwoch, 21. Oktober, spricht Flottillenarzt Dr. Christian Haggenmiller über Human Performance Enhancement. Dabei handelt es sich um Maßnahmen, mit denen sich die menschliche Leistungsfähigkeit steigern lässt – und zwar über das natürliche Potenzial hinaus. Welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben, wird Haggenmiller, GIDS-Experte für den Bereich Gesundheit und Sicherheit, eingangs erläutern. Im November folgt dann ein Vortrag zur nuklearen Teilhabe Deutschlands, im Dezember zu Seestrategien für das Südchinesische Meer.

Die Hauptstadt als Fernziel

Die Veranstaltungsreihe #GIDSdebate umfasst jeweils ein Impulsreferat durch eine Expertin oder einen Experten, eine 30-minütige Diskussion und die Gelegenheit zum Netzwerken in zwangloser Atmosphäre. „Mit der neuen Reihe verfolgen wir mehrere Ziele: Wir möchten den wissenschaftlichen Diskurs vorantreiben und uns als Thinktank der Bundeswehr bekannter machen“, sagt der Wissenschaftliche Leiter des GIDS, Professor Dr. Stefan Bayer. Die Denkfabrik kann hierzu auf die Unterstützung der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg und der Führungsakademie der Bundeswehr zählen. In Kooperation mit weiteren Wissenschaftseinrichtungen ist außerdem geplant, #GIDSdebate an verschiedenen Orten der Hansestadt zu veranstalten. „Wir lassen das aufwachsen“, kündigt Bayer an. „Wenn es erst richtig brummt, wollen wir das bis nach Berlin tragen und dort etablieren.“

Den Grundstock hat die Betrachtung von Dr. Marie-Theres Beumler gelegt. Die 33-jährige Staatswissenschaftlerin forscht im Schwerpunkt zu Konflikten im Nahen Osten und zum islamistischen Terrorismus, reist häufig in die Region und war zuletzt im vergangenen Dezember in Israel. Im Beck-Saal warnte sie davor, die Rolle von Frauen des Islamischen Staates, der al-Qaida, der Hamas und ähnlicher Gruppen zu unterschätzen. Frauen leisteten für diese Terrornetzwerke einen wichtigen Beitrag, indem sie etwa die Propaganda und Rekrutierung unterstützten, Gelder einwürben und Pässe beschafften. Führungspositionen blieben ihnen zwar verwehrt, doch innerhalb ihrer Familien spielten sie eine Schlüsselrolle: als Rückhalt der Terroristen von heute und als Erzieherinnen möglichst vieler Attentäter von morgen. Für das Fortbestehen von Ideologie und Organisation seien Frauen somit überlebenswichtig, unabhängig von ihrem Aufenthaltsort – ob nun im Kampfgebiet, im Flüchtlingslager oder in ihren jeweiligen Herkunftsländern.

„Das ist wichtig für Deutschland“

Frauen, die sich islamistischen Terrororganisationen anschließen, gehe es meist nicht um den eigenhändigen Griff zu Kalaschnikow oder Bombengürtel. Ihre Motive seien eher persönlicher Natur. Gleichwohl gebe es genug Beispiele für weibliche Kämpferinnen, führte Beumler aus. So verübten auch Frauen Selbstmordanschläge – und erzielten dabei eine größere mediale Aufmerksamkeit und höhere Opferzahlen als Männer. Daneben habe der IS die ausschließlich aus Frauen bestehende al-Khansaa-Brigade als eine Art Sittenpolizei eingesetzt und damit den weiblichen Bevölkerungsanteil durchdrungen, ausspioniert und kontrolliert. Der militärische Niedergang des IS ändere erst einmal nichts daran, dass die Ideologie in den Köpfen fortbestehe. „Wir sind auf einem Auge blind, wenn wir das nicht erkennen“, sagte Beumler. „Und wir müssen uns fragen, wie wir damit umgehen, auch und gerade bei Rückkehrerinnen und ihren Kindern. Das ist wichtig für Deutschland, das ist wichtig für die Bundeswehr.“

Anmeldungen für #GIDSdebate am 21.Oktober nimmt Oberst Jürgen Henke entgegen, die E-Mail-Adresse lautet juergen.henke@­gids-hamburg.de. Bitte beachten Sie: Eine Teilnahme ist nur nach Zusage durch das GIDS möglich.

Bei der Premiere von #GIDSdebate galt: Pro Tisch ein Teilnehmer. Mehr war aufgrund der Corona-Regeln nicht möglich.

Autor: Mario Assmann
Fotos: GIDS

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