Praxisjahr im GIDS: „Alle Freiheit zu forschen und zu publizieren“

Masterstudent Simon Struck gewinnt in der Denkfabrik neue Einblicke

Eine kurze Anmoderation, dann steht er im Fokus. Referiert vor Fachleuten über den „Klimawandel als strategische Herausforderung für die Bundeswehr“, gibt die Impulse bei der #GIDSdebate11 im September. Für den 26-jährigen Simon Struck ist dies ein Höhepunkt seiner Zeit am GIDS – als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Praxisjahr. Aus Sicht Strucks steht fest: „Ein solches Jahr kann ich nur empfehlen. Im GIDS habe ich alle Freiheit zu arbeiten, zu publizieren, die Expertise unserer Offiziere und Wissenschaftler zu nutzen.“ Seine zwölf Monate in einem sicherheitspolitischen Thinktank, sagt der angehende Friedens- und Konfliktforscher von der Universität Tübingen, sei ein „sehr hilfreicher Perspektivenwechsel“.

Seit November 2020 ist Struck im GIDS tätig. Im Schwerpunkt beschäftigt er sich mit dem Zusammenhang von Klimawandel und Sicherheit, geht dabei der strategischen Ausrichtung von Streitkräften und dem militärischen Risikomanagement nach. Was etwa auf die Bundeswehr zukommt, welche Rolle sie einnehmen könnte und sollte, sind Beispiele für Fragen, mit denen sich Struck auseinandersetzt. Einige neue Antworten sind gerade erst erschienen. So hat jetzt „stratos“, die militärwissenschaftliche Zeitschrift der Schweizer Armee, den Text „Trendszenario Grüne Armee: Strategische Überlegenheit durch Nachhaltigkeit?“ veröffentlicht. Verfasst hat ihn Struck gemeinsam mit Professor Dr. Stefan Bayer, Leiter Forschung des GIDS.

Ein weiterer Artikel dieses Autorenduos ist für die Dezemberausgabe der „Zeitschrift für Internationale Beziehungen“ geplant. Der Titel lautet „Militär im Risikomanagement? Strategische Ausrichtung von Streitkräften im Klimawandel“, der Inhalt befasst sich unter anderem mit militärischer Planung angesichts zunehmender Naturkatastrophen und sicherheitspolitischer Herausforderungen. Zwei Gemeinschaftsproduktionen haben Struck und Professor Dr. Bayer schon 2019 vorgelegt: das #GIDSstatement „Klimaschutzpolitik vor dem Scheitern“ und das #GIDSresearch „The Strategic Orientation of Armed Forces in Times of Climate Change“. Damals absolvierte der Masterstudent Struck im GIDS ein Praktikum und empfahl sich für das später öffentlich ausgeschriebene Praxisjahr.

Streitkräfte als Innovationstreiber

Als Teil eines Teams arbeitet Struck außerdem zum Thema Energieautonomie. Ihn interessiert insbesondere, wie sich die Bundeswehr in die Nationale Wasserstoffstrategie einbringen kann, wie sich der Energieträger für Liegenschaften und Fahrzeuge nutzen lässt. Ohne dem entsprechenden, in der Finalisierung begriffenen #GIDSstatement vorwegzugreifen: Struck zufolge sind nachhaltigere Streitkräfte die einsatzfähigeren. Denn während sie als Innovationstreiber wirken und ihren Rohstoffverbrauch senken, steige ihre Unabhängigkeit von zivilen Infrastrukturen und fossilen Energiemärkten. „Das sollte im Interesse der Bundeswehr sein und stärker in den Vordergrund rücken“, sagt der Geschichts- und Politikwissenschaftler mit Bachelorabschluss.

Nach Abschluss des Praxisjahrs, bezahlt auf Basis des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst, schreibt Struck seine Masterarbeit. Um zu verdeutlichen, welche Rolle die Erderwärmung bei militärischen Planungen spielen sollte, sieht er zwei Fallbeispiele vor: die USA und Neuseeland. Die Streitkräfte beider Länder, so Struck zur Begründung, „haben Klimaeffekte als Bedrohung anerkannt und dazu zahlreiche Papiere herausgegeben“. Ob er sich eine Rückkehr zum GIDS vorstellen kann? „Das wäre eine fantastische Gelegenheit, denn hier geht es ja um Strategie und Planungsprozesse. In dem Zusammenhang hilft auch die Vernetzung mit der Führungsakademie der Bundeswehr – dadurch ergibt sich viel mehr als nur ein Blick von außen.

Für Professor Dr. Bayer hat sich das Modell Praxisjahr bewährt. „Was auch mit der Person Simon Struck zu tun hat“, urteilt der Professor für Volkswirtschaftslehre: „Ein kluger Kopf, kreativ bei der Netzwerkbildung und sehr produktiv.“ Selbst ein Bild machen konnte sich, wer die #GIDSdebate11 verfolgte. Strucks Kernthese: Die Bundeswehr müsse ein stärkeres Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels entwickeln. Angesichts der drohenden Auswirkungen auf Personal, Ausrüstung und Infrastruktur, aber auch auf den Übungsbetrieb und internationale Einsätze gehörten die bisherigen Strukturen auf den Prüfstand. Zumal Streitkräfte „wichtige Instrumente zur Bewältigung der Klimafolgen sind und sein werden, etwa durch ihre Fähigkeiten beim Katastrophenmanagement und bei der Leistung humanitärer Hilfe“, so Struck.

#GIDSdebate bringt Wissenschaftler, Offiziere, Unternehmer und Behördenvertreter zusammen. Das Forum am dritten Mittwoch eines Monats umfasst jeweils ein Impulsreferat durch eine Expertin oder einen Experten, eine 30-minütige Diskussion und die Gelegenheit zum Netzwerken. Derzeit wird #GIDSdebate als hybrides Format veranstaltet, so auch am 20. Oktober um 17 Uhr. Korvettenkapitän Alexander Heinrich, Teilnehmer des Lehrgangs General- und Admiralstabsdienst National 2020, spricht dann über das Multi-Domain Battlefield. Weitere Informationen sind per E-Mail an veranstaltungen@gids-hamburg.de erhältlich.

Autor: Mario Assmann

Foto: Katharina Roggmann

#GIDSdebate | 21. September 2021