Innovative Ideen für Europas Sicherheit

Angehende General- und Admiralstabsoffiziere legen Empfehlungen zur GSVP vor

Die Führungsakademie der Bundeswehr rüstet sich für einen bedeutenden Tag. Am 1. Juli präsentiert der Lehrgang General- und Admiralstabsdienst (LGAN) 2019 die Ergebnisse seiner knapp zweijährigen Studienphase. Entstanden sind – unter dem Dach des German Institute for Defence and Strategic Studies, kurz GIDS – innovative Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung und ihre Ressorts. Das vom Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, persönlich vorgegebene Thema lautet „Die strategische Ausrichtung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU: Deutsche Schwerpunkte und Prioritäten“. Auf der Gästeliste der Veranstaltung stehen unter anderem mehr als 200 Admirale und Generale, Wissenschaftler und Behördenvertreter.

Mit welchen Zielen und Mitteln lässt sich die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) weiterentwickeln? Wie könnte sich Deutschland als treibende Kraft einbringen? Um diese Fragen zu beantworten, hat der LGAN 2019 die Binnen- und Außenbeziehungen der EU analysiert sowie die Teilaspekte Strategie, Operationsfähigkeit, Instrumente und Kommunikation untersucht. Im Ergebnis sind zahlreiche Handlungsempfehlungen entstanden, zum Beispiel zur Kooperation mit der NATO, zu den Dimensionen Cyber- und Weltraum, zur maritimen Sicherheit in der Arktis, Stärkung der militärischen Führungsfähigkeit der EU, Verschränkung von Sicherheits- und Klimapolitik. Erarbeitet wurden die Ergebnisse ergebnisoffen, ohne Scheuklappen, losgelöst von den Zwängen des täglichen Dienstes.

Major Benjamin Schmuck, Teilnehmer des Lehrgangs General- und Admiralstabsdienst 2019.

Der LGAN 2019 stellt die Ergebnisse in Präsenz und im Livestream ganztägig vor – und zur Diskussion. In sogenannten Breakout Sessions geht es etwa darum, ob ein handlungsfähiges Europa der Verteidigung zur Selbstbehauptung in einer neuen Weltordnung führen kann. Auf der Agenda stehen ebenfalls die Umsetzbarkeit einer ambitionierten Kommandostruktur der GSVP, europäische Identität, die European Battlegroups und die GSVP im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen und Bedrohungswahrnehmungen. An den Sessions beteiligen sich Experten wie Botschafter Ekkehard Brose, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, Inspekteur Cyber- und Informationsraum, Generalleutnant Kai Rohrschneider, Abteilungsleiter Führung Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung, und Generalleutnant Hans-Werner Wiermann, Generaldirektor des Internationalen Militärstabes der NATO.

Für die 107 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des LGAN 2019, darunter eine zivile Führungskraft und 17 internationale Offiziere aus NATO-Staaten, ist die Präsentation in der Führungsakademie „der Höhepunkt unserer lehrgangsbegleitenden Studienphase“, sagt Major Benjamin Schmuck. Der Heeresaufklärer und angehende Generalstabsoffizier blickt vor allem den vielen hochrangigen Gästen und ihren Reaktionen auf die Handlungsempfehlungen gespannt entgegen. Letztere können durchaus Folgen haben. So sind Ergebnisse des LGAN 2017, erarbeitet zur gesamtstaatlichen und militärischen Führungsstruktur im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung, in die „Eckpunkte für die Bundeswehr der Zukunft“ eingeflossen. Das Dokument wurde unlängst von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und General Zorn vorgelegt. Schmuck hofft, dass der Generalinspekteur auch die Empfehlungen des LGAN 2019 „dicht an seinem Schreibtisch aufbewahrt“.

Das Wappen des LGAN 2019, des 16. streitkräftegemeinsamen Lehrgangs General- und Admiralstabsdienst.

Eine Herausforderung war der erste Lockdown ab März 2020. „Das war ein wenig Wilder Westen: Für die sehr engagierte Aufrechterhaltung der Lehre hat jeder mit Hard- und Software gemacht, was geht“, erinnert sich Oberst i. G. Bastian Volz von der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften (PSGW) der Führungsakademie. „Trotzdem konnten wir die Studienphase wie geplant durchführen: PSGW unterstützt bei der Einarbeitung, dann übernimmt das GIDS, schließlich die Lehrgangsleitung“, sagt Volz, Fachgebietsleiter für deutsche Außen- und Sicherheitspolitik. Auch Lehrgangsleiter Kapitän zur See Marc Gieseler lobt diese Zusammenarbeit. Die Highlights für die Lehrgangsteilnehmer seien aber sicher die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 und zwei Besuche von General Zorn gewesen. Zumal der Generalinspekteur verdeutlicht hat, „dass er die Studienphase wahrnimmt, dass er ihre Ergebnisse nutzt“, ergänzt Oberst i.G. Professor Dr. Matthias Rogg vom Vorstand des GIDS. Und vom Nutzen der erarbeiteten Handlungsempfehlungen ist Professor Dr. Stefan Bayer, der die Studienphase intensiv unterstützt hat, überzeugt: „Sie bieten eine große Fülle an Umsetzungsmöglichkeiten – hinsichtlich aller Facetten der GSVP, als Bereicherung der europäischen Sicherheitspolitik“, unterstreicht der Wissenschaftliche Leiter des GIDS.

Der LGAN ist der anspruchsvollste Lehrgang der Führungsakademie in Hamburg; er beginnt jeweils im Herbst, dauert zwei Jahre und steht nur Berufsoffizieren sowie Beamtinnen und Beamten des höheren Dienstes offen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ausgewählt aus den Besten ihres Jahrgangs, werden auf Verwendungen als militärische Führer oder Berater vorbereitet: auf taktischer, operativer und strategischer Ebene sowie im politischen Umfeld. Fester Bestandteil dieser Ausbildung ist die Studienphase, für die immer wieder einzelne Nachmittage oder ganze Arbeitswochen zur Verfügung stehen. Vorträge von und Gespräche mit Dutzenden ausgewiesenen Fachleuten sowie die Begleitung durch das GIDS stärken den Charakter der Akademie als Denkfabrik und tragen nachhaltig zur Erstellung belastbarer Ergebnisse bei.

Autor: Mario Assmann

#GIDSnews | 29. Juni 2021